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3. Mai 2010

Die erstklassige Heimmacht

Filed under: 1. FSV Mainz 05 — admin @ 13:00
Außergewöhnliche Ereignisse erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. So oder ähnlich muss wohl auch Thomas Tuchel gedacht haben.

Eigentlich liebt der junge Trainer des 1. FSV Mainz 05 den großen Auftritt nicht, doch diesmal wollte er die Bitten der Anhänger nicht abschlagen. Und so stand Tuchel oben auf dem Fanzaun und stimmte höchstpersönlich die “Humba” an.

Neuer Rekord in der Heimbilanz

Es war mal wieder Feiertag in Mainz – der 1:0-Erfolg über Borussia Dortmund war gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Vor allem natürlich, weil der Aufsteiger mit seinen Bundesligapunkten 39, 40 und 41 auch rechnerisch alle Zweifel an seiner Zugehörigkeit zur Eliteklasse beseitigte. “Dass wir schon vier Spieltage vor Saisonende durch sind, ist eine außergewöhnliche und herausragende Leistung aller im Verein”, stellt Manager Christian Heidel strahlend fest.

Wie Heidel wissen auch die Spieler, dass sie den Klassenerhalt fast allein der Festung am Bruchweg zu verdanken haben. “Was wir als Aufsteiger hier zuhause präsentieren, ist einfach toll”, meint Torhüter Heinz Müller.

Der FSV spielt in dieser Saison so erfolgreich zuhause auf wie noch nie zuvor. In ihrer Premierensaison 2004/2005 sammelten die Mainzer im heimischen Stadion 30 Punkte. Nach dem Sieg über Dortmund sind es jetzt 31 – die beste Bundesliga-Heimbilanz der Vereinsgeschichte.

Starke Defensive als Grundlage

Bemerkenswert war der Sieg über den BVB auch, weil ausgerechnet gegen die Mannschaft des “Ur-Mainzers” Jürgen Klopp wieder der Knoten platzte. Drei Niederlagen hatte Mainz zuvor kassiert, dabei nicht einen Treffer erzielt – und durfte dann gegen den Champions-League-Aspiranten das Erfolgserlebnis feiern. “Aber es soll niemand glauben, dass ich mir gesagt habe, wenn wir schon verlieren, dann hier”, hielt Klopp humorvoll fest.

Die Grundlage zum Sieg und damit zum endgültigen Klassenerhalt legte Mainz einmal mehr in der Defensive, die sich auch ein Sonderlob des Gegners verdiente. “Was die Mainzer alles rausgehauen haben – unglaublich. Die haben richtige Monster da hinten”, lobte Neven Subotic seine ehemaligen Mannschaftskameraden um Nikolce Noveski mit einem eigenwilligen, aber anerkennenden Vergleich.

37 Gegentore hat Mainz bislang kassiert. Auf diesem Niveau bewegen sich auch ambitionierte Teams wie Stuttgart und Bremen.

Tuchel trotz Sieg unzufrieden

Die stabile Defensive überdeckt auch die Schwächen, die Mainz im Spielaufbau immer wieder offenbart. Gegen den BVB drückte sich das in 31 Prozent Ballbesitz aus. Und es war auch bemerkenswert, dass Thomas Tuchel selbst in der Feierstunde nicht das Mäntelchen des Schweigens über die Probleme legte.

Im Gegenteil: Tuchel stellte seinem Team ein schlechtes Zeugnis aus und formulierte damit zugleich den Aufgabenkatalog für die nächsten Partien: “Wir haben zu oft die Ordnung verloren. Wir hatten Unordnung in unseren Laufwegen. Uns fehlte die Ruhe im Spielaufbau. Wir haben zu viele lange Bälle gespielt.”

“Haben auswärts noch etwas zu beweisen”

Es liegt nun an der Mannschaft, schon im nächsten Spiel beim Hamburger SV zu beweisen, dass sie das besser kann. Und nicht nur das – denn auf fremden Plätzen lief es in dieser Saison für Mainz alles andere als erstklassig. Die Auswärtstabelle weist den FSV mit gerade einmal zehn Zählern auf dem letzten Tabellenrang aus. “Wir haben auswärts noch etwas zu beweisen. In Hamburg können wir damit beginnen”, meint Bo Svensson.

Klappt das nicht, bleiben immerhin noch zwei Heimspiele, um der erfolgreichen Saison die Krone aufzusetzen. Denn nur noch zwei Zähler fehlen Mainz zur Bestmarke aus der ersten Bundesligasiason 2004/05. “Diesen Rekord greifen wir an, den wollen wir uns holen”, verspricht Thomas Tuchel. Und dann steigt der 36-Jährige vielleicht auch noch einmal zur “Humba” auf den Zaun.

Aus Mainz berichtet Dietmar Nolte

In Galaform zum “Abstiegsfinale”

Filed under: Hannover 96 — admin @ 12:58
Erst zehn Minuten Party, dann sieben Tage volle Konzentration: Schon kurz nach der 6:1 (4:0)-Gala gegen Borussia Mönchengladbach und dem ausgelassenen Jubel mit den Fans hatte man bei Hannover 96 den höchsten Bundesliga-Sieg seit 45 Jahren abgehakt.
Freude über drei ganz wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt: Ja! Überschwang vor dem großen “Abstiegsfinale” am kommenden Samstag beim Mitkonkurrenten VfL Bochum: Fehlanzeige! “Erleichterung spüre ich nicht”, sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke: “In Bochum wird es ein heißer Tanz.”

“Es geht immer noch um alles”

Immerhin kletterten die Niedersachsen durch das Schützenfest gegen desolate Gladbacher erstmals seit Rückrundenbeginn auf einen Nichtabstiegsplatz und können nun sogar noch aus eigener Kraft den Relegationsspielen aus dem Weg gehen. “Unsere Ausgangsposition ist jetzt natürlich deutlich besser. Aber wir müssen uns sofort wieder auf den Punkt konzentrieren, damit wir in Bochum genauso stabil auftreten”, forderte 96-Trainer Mirko Slomka, und Schmadtke fügte hinzu: “Noch sind wir nicht durch. Es geht immer noch um alles.”

Die Profis, die vor ihrem Triumph nacheinander 0:7 bei Bayern München und 0:3 bei Bayer Leverkusen verloren hatten, scheinen auf der Zielgerade der Saison den Ernst der Lage erkannt zu haben. Von der ersten Sekunde an wurde die Borussia unter Druck gesetzt und nach der Führung von Karim Haggui (16.), der bei Hannovers 3: 5-Niederlage im Hinspiel noch zweimal ins eigene Netz getroffen hatte, regelrecht überrollt. Fast nach Belieben durften sich die 96-Spieler in die Torschützenliste eintragen.

“Besser spät als nie”

So nahmen auch Sergio Pinto (23.), Didier Ya Konan (27.), Mike Hanke (38.), Sofian Chahed (53.) und Arnold Bruggink (74.) die Einladungen dankend an. Für Gladbach traf einzig Patrick Herrmann zum zwischenzeitlichen 1:5 (69.). “Das war unser stärkstes Spiel der Saison – besser jetzt als nie. Noch ist es ja nicht zu spät”, meinte Haggui.

Hanke ergänzte: “Wir haben gezeigt, dass wir mit aller Macht in der 1. Liga bleiben wollen. Auch auf den anderen Plätzen ist es gut für uns gelaufen. Wenn wir aber in Bochum verlieren, bringt das alles nichts.”

Hannoveraner halten den Ball flach

Einen psychologischen Vorteil gegenüber dem VfL, der 1:3 bei den Bayern unterlag und nun zwei Punkte Rückstand auf Hannover hat, wollte Schmadtke allerdings nicht ausmachen: “Das wird keine Rolle spielen. Wir müssen zeigen, dass wir von der ersten Sekunde an bereit sind.” Bruggink: “Wir haben noch gar nichts erreicht. Zumal am kommenden Wochenende eine andere Mannschaft als Gladbach auf dem Platz stehen wird.”

Die in der Tabelle im Niemandsland rangierenden Rheinländer erwiesen sich für Hannover als dankbarer Gegner und bäumten sich kaum gegen das drohende Debakel auf. Trainer Michael Frontzeck wollte von einer vermeintlichen Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der Bochumer oder des 1. FC Nürnberg jedoch nichts wissen. “So etwas zu behaupten, wäre ein Witz”, sagte der Coach: “Wir sind halt noch nicht so weit wie viele denken. Die Niederlage ist auch in dieser Höhe verdient.”

Die meisten der Zuschauer in Hannovers WM-Arena dürften dies ähnlich gesehen haben. Bis zu 10.000 Fans der Niedersachsen wollen nun auch mit nach Bochum fahren. “Natürlich möchten wir unseren Anhängern auch etwas zurückgeben”, sagte Hanke.

Wir wurden für den enormen Aufwand nicht belohnt

Filed under: Hertha BSC — admin @ 12:57
Die erste Entscheidung in der Abstiegsfrage ist gefallen. Trotz einer starken Leistung und eines 1:1-Unentschiedens bei Bayer Leverkusen muss Hertha BSC Berlin als Tabellenletzter den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Nach dem besiegelten Abstieg stellte sich Herthas Manager Michael Preetz den Fragen der Journalisten.
Frage: Michael Preetz, Hertha BSC Berlin ist nach dem 1:1 in Leverkusen definitiv aus der Bundesliga abgestiegen. Wie sieht es in Ihnen jetzt aus?

Michael Preetz: Das ist ein ganz bitterer Moment für Hertha BSC. Für jeden Spieler, für alle bei Hertha BSC, für die ganze Stadt und für unsere fantastischen Fans. Wir haben das Szenario seit Wochen vor Augen und uns dagegen gewehrt. Jetzt ist es bittere Gewissheit. Es ist schade, weil mit dieser Mannschaft viel mehr möglich gewesen wäre als jetzt abzusteigen.

Frage: Konnte man sich auf die Situation, die ja jetzt nicht mehr ganz überraschend kam, einstellen oder hatten Sie noch die Hoffnung, dass die guten Leistungen der letzten Wochen irgendwann einmal belohnt werden?

Preetz: Wer unsere Mannschaft in den letzten Wochen und im ganzen Jahr 2010 verfolgt hat, der hat mehrere solcher Leistungen gesehen, wie wir sie beim Tabellen-Vierten in Leverkusen gezeigt haben. Wir haben aber leider auch gezeigt, warum es am Ende nicht gereicht hat. Wir haben gegen Leverkusen sehr gut gespielt, aber wir haben vergessen, den berühmten Sack zuzumachen. Wir haben Torchancen in Hülle und Fülle ausgelassen. Das war in Leverkusen ein Problem und insbesondere in den Heimspielen. Ein Heimsieg ist schlechtweg zu wenig. Wir sind Zuhause abgestiegen, nicht in Leverkusen.

Frage: In der Rückrunde hat die Hertha viele Punkte geholt und eine Aufholjagd versucht. Aber war die Hypothek der Hinrunde letztlich zu groß?

Preetz: Die sechs Punkte aus der desolaten Hinrunde waren eine schwere Hypothek, auch für die Spieler und deren Nervenkostüm. Sie haben in jedem Spiel in 2010 diesen Rucksack aufgehabt. Das hat an der einen oder anderen Stelle auch verhindert, dass die Lockerheit dabei war, die man beim Fußballspielen braucht, um noch erfolgreicher zu sein, als wir das in der Rückrunde waren. Wir waren immer dran, sind aber nie vorbeigekommen.

Frage: Wie geht es mit Trainer Funkel weiter, der nur einen Vertrag für die 1. Bundesliga besitzt?

Preetz: Ich habe schon in den vergangenen Wochen gesagt, dass wir uns am Ende der Saison zusammensetzen, die Saison analysieren und dann sehen, wie es in der Trainerfrage weitergeht.

Frage: Waren die Leistungen der Mannschaft in den vergangenen Wochen ein Argument für eine Weiterbeschäftigung von Friedhelm Funkel?

Preetz: Die Mannschaft hat ein gutes Spiel in Leverkusen gemacht. Aber wir hätten gewinnen müssen, um die Hoffnung mit in den 34. Spieltag zu retten. Das ist einfach schade, weil wir nicht für den enormen Aufwand belohnt wurden.

Frage: Wie groß wird der zu erwartende personelle Umbruch ausfallen?

Preetz: So kurz nach Spielschluss ist das noch nicht absehbar. Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen mit allen unseren Spielern Gespräche führen. Wir werden sehen, wer bereit ist, mit uns den Weg in die 2. Liga anzutreten. Wer den Verein am Ende verlassen wird, kann ich im Moment nicht sagen.

Frage: Glauben Sie, dass es schnell gelingt, Berlin wieder Erstliga-fähig zu machen?

Preetz: Wir werden zusehen, dass wir für die neue Saison eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski

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